DIE GRÜNEN IN ESSLINGEN

aus der Esslinger Zeitung vom 12.10.2011

Berkheimer Werkrealschule vor dem Aus

ESSLINGEN: Verwaltung will zum Ende des Schuljahrs schließen - und die CDU zieht dieses Mal mit

Vor einem Jahr hat sich die CDU noch heftig gegen den Vorstoß aus dem Rathaus gewehrt, die Berkheimer Werkrealschule zu schließen. Jetzt gibt auch sie die Sekundarstufe im Esslinger Süden zum Ende dieses Schuljahrs verloren. „Nachdem die neue Landesregierung die Grundschulempfehlung gekippt hat, wird noch mehr mit den Füßen abgestimmt“, begründet Markus Grübel die Entscheidung seiner Fraktion, dieses Mal dem Votum aus dem Rathaus zuzustimmen.

Von Claudia Bitzer

Offiziell ist die Entscheidung auf Wunsch der Grünen vertagt und fällt erst im November. Doch kann nur noch ein Wunder die Berkheimer Werkrealschule über dieses Schuljahr hinaus retten.Vor einem Jahr hatten sich CDU und Grüne noch gegen eine Schließung der Berkheimer Werkrealschule im Hauruck-Verfahren ausgesprochen und wollten eine offene Entscheidungsfindung über das Thema. Freie Wähler und SPD hatten jedoch damals schon signalisiert, dass die Schließung eines weiteren Werkrealschulstandorts für sie nur noch eine Frage der Zeit sei. Schließlich stand bereits fest, dass sich die elf Züge an fünf Werkrealschulstandorten, auf die die Stadt die Neuordnung ihrer Hauptschullandschaft 2008 ausgelegt hatte, nicht füllen. Doch während im November 2010 noch davon die Rede war, eine solch schwerwiegende Entscheidung nicht zuletzt mit Blick auf einen potenziellen Regierungswechsel in einen größeren Zusammenhang einzubetten, geht sie zum Ärger von Dirk Rupp (Grüne) jetzt offenbar auch ohne städtisches Gesamtkonzept durch. In der nichtöffentlichen letzten Schulausschusssitzung hat Bürgermeister Markus Raab jedenfalls die Neuauflage eingebracht, die Berkheimer Werkrealschule zum Ende dieses Schuljahrs zu schließen. Raab: „Gerade durch den Regierungswechsel hat sich die Situation für unsre Werkrealschulen dramatisch verschärft.“ Denn zum demografischen Schülerschwund, der sich auch in Esslingen ab 2017 mit jährlich mindestens zwei Prozent weniger Erstklässlern bemerkbar mache, komme jetzt auch noch der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung dazu. In den vergangenen drei Jahren habe bereits rund ein Drittel der Eltern der Werkrealschulempfehlung für ihre Kinder widersprochen. Nur 200 Fünftklässler seien im Herbst 2010 an den fünf Werkrealschulen auch angekommen. Damit hätten rein rechnerisch sogar acht Züge mit 25 Schülern völlig ausgereicht. Raab: „Wir halten in einer finanziell angespannten Situation zu viel Schulraum vor.“ „Warum Berkheim?“, hatten Grüne und CDU vor einem Jahr noch rein finanzielle Aspekte nicht als Gründe gelten lassen wollen. Raab argumentiert jetzt: „Weil wir in Berkheim einen dringenden Bedarf an vorschulischer Ganztagsbetreuung und der Betreuung der unter Dreijährigen haben. Wir können an der Schillerschule eine sechsgruppige Kindertagesstätte einrichten.“ Die ließe sich dort deutlich kostengünstiger realisieren als ein Neubau an der Konsumstraße (Differenz: rund 1,3 Millionen Euro). Zudem stellt er den Berkheimern weitere Trostpflästerchen in Aussicht: So soll die Grundschule nicht nur als wohnortnahe Schule erhalten bleiben, sondern ab dem Schuljahr 2013/14 zur Ganztagsschule werden. Zudem sollen zwei der vier Schulpavillons an den schulischen Kooperationspartner TSV Berkheim in Erbpacht übergeben werden.

Raab: Brauche Entscheidung

Raab sieht auch keinen Sinn darin, die Entscheidung noch weiter aufzuschieben. Nachdem das Land zunächst einmal nur 20 bis 30 Gemeinschaftsschulen ins Leben rufen wollen, habe er die für November anberaumte Klausurtagung in Sachen Essliger Schulpolitik auf Ende März verschoben. „Aber die Berkheimer Eltern wollen Klarheit. Und wenn wir die Räume für die Kinderbetreuung nachnutzen wollen, brauche ich noch in diesem Jahr eine Entscheidung, denn wir bekommen nur bis Ende 2013 Zuschüsse dafür.“

„Wir wollten eben nicht, dass es bei der Entscheidung nur um Berkheim geht“, bedauert Grünen-Stadtrat Rupp. „Wir hatten Ideen, wie man in Berkheim einen fließenden Übergang in ein neues Konzept hätte schaffen können. Aber alle anderen Fraktionen haben jetzt klar gesagt, dass sie für den Verwaltungsvorschlag sind.“

Während sich die Freien Wähler gestern gegenüber unserer Zeitung nicht öffentlich dazu äußern wollten, bekräftigte Richard Kramartschik seitens der SPD, dass seine Fraktion in Anbetracht der noch weiter wegbrechenden Schülerzahlen keine Alternative zur Schließung sehe. „Wir müssen sogar befürchten, dass noch eine weitere Schule dran glauben muss.“ Die SPD befürworte auch den Verwaltungsvorschlag, dass die jetzigen Siebt- und Achtklässler noch in Berkheim ihren Abschluss machen könnten.

CDU-Stadtrat Grübel betonte, der Aufschrei seiner Fraktion vor einem Jahr sei zwar richtig gewesen, doch habe sich die Geschichte weiterentwickelt. Wenn man drei Klassen zu viel bereit halte, fehle seiner um Wirtschaftlichkeit bemühten CDU „die innere Rechtfertigung“. Und die Ersatzlösung für Berkheim mit einem „optimalen“ Betreuungs- und Sportangebot lasse den Stadtteil „auf jeden Fall gewinnen“.

 

Menschenkette
Gentechnik
Spenden fuer Grün
Partei ergreifen - Mitglied werden
Abonniere unseren Newsletter!