DIE GRÜNEN IN ESSLINGEN

Stuttgart 21 schadet Esslingen - Der „Lautsprecher" vermehrt den Widerstand

Stellungnahme der Grünen zum Interview der Esslinger Zeitung mit Wolfgang Drexler (16.01.2010) (Das Interview finden Sie hier)

 

Dass die Anstrengungen von Wolfgang Drexler „bislang ... nichts am massiven Widerstand gegen das Milliardenprojekt der Bahn ändern" konnten, liegt sicherlich daran, dass auch er völlig falsch agiert.

Erstaunlich ist wie Drexler mit der Angst der Esslinger Bürger umgeht. So erwähnt er eine Alternativtrasse über die Gemüsefelder zwischen der Pliensauvorstadt und Weil. Hier argumentiert er in etwa so, wie wenn die Projektgegner noch behaupten würden der Stuttgarter Durchgangsbahnhof habe nur 6 Gleise.

Längst sind die Vorschläge der Projektgegner von diesen überarbeitet worden. Wer so tut als wären das tatsächlich alternative Planungen, der betreibt Augenwischerei. Tatsache ist doch, dass Alternativen zum Giga - Projekt Stuttgart 21 nie ernsthaft geprüft wurden und keine konkreten Planungen vorliegen. Oder will Drexler echte Alternativplanungen kennen? Würde er sie dann verschweigen, etwa weil sie günstiger und effektiver wären?

Drexler tut so als wollten die S 21 – Gegner nicht auch eine effektive und schnelle Bahn, als wollten sie nicht auch eine Reduzierung der Flugbewegungen. Er sagt aber nicht, dass eine Flughafen-Anbindung natürlich den Reiz zu fliegen stärken soll und nicht den Zweck hat unnötiges Fliegen zu vermeiden. Der Flughafenbahnhof hat natürlich eine Zubringerfunktion. Auch hier: Augenwischerei.

Erwähnt wird, dass ein Teil der Züge nach Tübingen künftig über den Flughafen fährt. Unerwähnt bleibt, dass auch Züge Richtung Ulm über den Flughafen geführt werden. Für Esslingen bleibt im Wesentlichen die S-Bahn. Die täglichen Fahrten der arbeitenden Bevölkerung führen in die Region und selten nach Paris oder Budapest. Das sollte der Abgeordnete der vermeintlichen Arbeiterpartei wissen.

Ich kann mich nicht entsinnen von dem Landtagsabgeordneten ein hohes Engagement für die Einbeziehung des Landkreises Göppingen in den VVS und damit verbundenen Verbesserungen der Verbindungen dorthin gehört zu haben. Diese Verbindungen würden wahrscheinlich dann auch Esslingen zugute kommen.

Ein Kernproblem des Nahverkehrs wird mit Stuttgart 21 in keiner Weise gelöst. Das ist nämlich die Überlastung des S-Bahntunnels in Stuttgart. Fällt in Zukunft die Option bei einer Störung im S-Bahntunnel die Züge im Innenstadt-Kopfbahnhof halten zu lassen, dann erhöht sich die Reisezeit zum Beispiel für Esslinger Pendler nach Stuttgart erheblich. Dann kann man nicht mehr am Hauptbahnhof von der S-Bahn in die U-Bahn oder den Bus umsteigen um sein Ziel in der Landeshauptstadt doch noch zu erreichen.

Auch die Alternativstrecke für die Innenstadt - Umfahrung auf der heutigen Gäubahntrasse fällt für die S-Bahn weg. – Für Verbesserungen im S-Bahnverkehr im Kernbereich der Region wird auf lange Sicht nicht nur das Geld fehlen, sind die Milliarden erst einmal tiefer gelegt.

Logischerweise wird man versuchen die Kosten nicht mehr nur auf die Gemeinden in der gesamten Region umzulegen, sondern auch über die Fahrpreise auf die VVS-Nutzer. Auch die Esslinger Bürger werden sich weiter über steigende Fahrpreise freuen dürfen.

Herr Drexler hat seinerzeit die Kürzung der Regionalisierungsmittel durch seinen Parteifreund Steinbrück gerechtfertigt, die zu Einschränkungen im regionalen Nahverkehr geführt haben. Das sollte nicht vergessen werden.

Auch was die Lärmminderung anbetrifft, so lehnt sich Drexler viel zu weit aus dem Fenster. Es ist im Augenblick überhaupt nicht absehbar, wann endlich Güterzüge existieren werden, die annähernd so leise sind wie heutige S-Bahnen oder ICEs. Die privaten Güterzug-Unternehmen haben bislang keinen Anlass mit leiseren Zügen durch die Nacht unterwegs zu sein.

Das viel zu teure Immobilien-Experiment Stuttgart 21 dient nicht, wie versprochen, der Verbesserung des Regional- und Nahverkehrs, zum Beispiel für Esslingen sondern nimmt der Entwicklung des Schienenverkehrs unnötig viele finanzielle (nicht vorhandene) Ressourcen. Dass es dabei auch noch andere Bahnprojekte kannibalisiert widerspricht der „Überzeugung ..., dass die Zukunft der Schiene gehört".

Ob sich die Leistungsfähigkeit des Durchgangsbahnhofes der des Kopfbahnhofes annähern kann, darüber streiten die Experten. Für die optimale Vertaktung von Fern- und Regionalverkehr bzw. dem Regionalverkehr miteinander ist Stuttgart 21 mit Sicherheit nicht geeignet.

Kein Wunder, dass die Anstrengungen des SPD-Politikers Drexler nicht überzeugen.